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Woran du das Geschlecht erkennst, was bei ungeplantem Nachwuchs zu tun ist und warum von Hobbyzucht abgeraten wird.
Die meisten Rennmauswürfe sind ungeplant. Sie entstehen, weil im Zoohandel das Geschlecht falsch bestimmt wurde und aus dem vermeintlichen Weibchenpaar nach vier Wochen sechs Tiere geworden sind. Wer weiß, wie Geschlechtsbestimmung funktioniert und was in den ersten Wochen zu tun und vor allem zu lassen ist, kommt aus dieser Situation ohne Verluste heraus.
Das einzig zuverlässige Merkmal ist der Abstand zwischen Genitalöffnung und After. Bei Weibchen ist er gering, bei Männchen deutlich größer. Fellfarbe, Größe oder Verhalten sagen nichts aus.
Die stressärmste Methode: Setze das Tier in einen durchsichtigen Behälter, etwa ein Marmeladenglas oder eine kleine Plastikbox, und schau von unten hindurch. So musst du nichts festhalten und das Tier kann sich frei bewegen.
Hilfreich ist der direkte Vergleich. Ein einzelnes Tier zu beurteilen ist schwierig, zwei nebeneinander sind meist eindeutig. Wenn möglich, ein Tier bekannten Geschlechts danebenhalten.
| Tag 10 bis 12 | Zitzen bei Weibchen sichtbar. Nur prüfen, wenn die Mutter entspannt ist, sonst besser warten |
|---|---|
| Woche 4 bis 5 | Für Erfahrene bereits gut bestimmbar |
| Woche 6 bis 7 | Empfohlener Zeitpunkt für die erste Bestimmung |
| Woche 8 bis 9 | Nachkontrolle, weil sich bei manchen Männchen die Hoden später entwickeln |
| Ab Woche 12 | Hoden deutlich sichtbar, das Hinterteil wirkt spitzer und länglicher. Eindeutig |
Immer zweimal prüfen. Fehlbestimmungen sind auch unter erfahrenen Haltern häufig. Wer zwei Jungtiere kauft, sollte nach einigen Wochen erneut kontrollieren, denn ein spät deszendierendes Männchen fällt beim ersten Blick durch. Und wer ein Paar aus dem Zoohandel übernimmt, sollte grundsätzlich selbst nachschauen.
Bei einem nicht säugenden Weibchen dauert die Tragzeit 24 bis 26 Tage, in Einzelfällen bis 28. Es gibt aber einen Sonderfall, der viele Halter in Panik versetzt:
Verzögerte Einnistung: Säugt ein Weibchen gleichzeitig einen Wurf, verzögert sich die Einnistung der nächsten Embryonen. Die Trächtigkeit kann sich dann auf bis zu 48 Tage ausdehnen. Ein Weibchen, das nach vier Wochen „immer noch nicht geworfen hat“, ist also nicht zwingend krank.
Wichtige Abgrenzung: Ein dicker Bauch ist nicht automatisch Trächtigkeit. Besonders bei älteren Weibchen sind Ovarialzysten und Tumore häufig und sehen ähnlich aus. Wenn kein Männchen Zugang hatte oder das Tier älter ist, gehört der Bauchumfang tierärztlich abgeklärt. Mehr unter Gesundheit und Krankheiten.
Ein Wurf umfasst typischerweise vier bis sechs Junge, die Spanne reicht von einem bis acht, in Ausnahmefällen bis zwölf. Das Geburtsgewicht liegt bei 2,5 bis 3,5 Gramm.
| Tag 1 bis 2 | Rosa, nackt, blind und taub |
|---|---|
| Tag 3 bis 4 | Pigmentierung beginnt, die spätere Fellfarbe zeichnet sich als dunkler Schimmer ab |
| Tag 5 bis 7 | Fell bricht durch, Ohren öffnen sich |
| Tag 10 bis 12 | Zitzen bei Weibchen erkennbar, das Gehör entwickelt sich |
| Tag 16 bis 21 | Augen öffnen sich, meist an Tag 17. Erste Ausflüge aus dem Nest |
| Ab Tag 16 | Erste feste Nahrung wird aufgenommen |
| Woche 3 bis 4 | Selbstständiges Fressen, Absetzen von der Milch |
| Bis Woche 7 | Gelegentliches Nachsäugen ist normal, auch wenn die Jungen längst feste Nahrung fressen |
| Woche 8 | Weibchen werden geschlechtsreif. Ab hier ist Trennung nach Geschlechtern Pflicht |
| Woche 10 bis 12 | Männchen werden geschlechtsreif |
Hier gibt es einen echten Zielkonflikt, den man kennen muss. Rennmäuse sind monogam, und der Vater beteiligt sich gleichberechtigt an der Aufzucht. Für die Jungtiere ist es also gut, wenn er bleibt.
Aber: Ein Weibchen ist am Tag der Geburt sofort wieder fruchtbar. Bleibt der Bock im Gehege, folgt der nächste Wurf praktisch garantiert. Bei ungeplantem Nachwuchs gilt deshalb: Männchen sofort trennen. Es darf dabei nicht in Einzelhaltung landen, sondern sollte möglichst zeitnah mit einem anderen Bock vergesellschaftet werden, siehe Rennmäuse vergesellschaften.
Anlaufstellen für die Vermittlung sind Nagerhilfen, Notstationen und regionale Initiativen. Wichtig ist, die Tiere nicht an Halter abzugeben, die sie einzeln oder im Gitterkäfig halten wollen.
Vereinzelte Verluste sind besonders beim Erstlingswurf und bei ungeplanten Würfen biologisch normal und kein Halterversagen. Eine wichtige Unterscheidung: Ein bereits totgeborenes oder verstorbenes Jungtier wird aus hygienischen Gründen beseitigt. Das ist etwas anderes als aktives Töten.
Häufige Ursachen für Wurfverlust sind eine zu junge oder unerfahrene Mutter, Störung durch den Halter, Proteinmangel und kranke oder missgebildete Jungtiere, die aussortiert werden. Tritt das Verhalten trotz optimaler Bedingungen wiederholt auf, sollte auf weitere Würfe verzichtet werden.
Die drei üblichen Begründungen für einen geplanten Wurf halten der Prüfung selten stand.
Wer mit Farbschlägen züchtet, muss die Genetik kennen. Zwei Punkte sind lebenswichtig:
Tückisch ist, dass Modifikatoren phänotypisch normale Tiere erzeugen können, die beide Mutationen tragen. Ein Laie kann das Risiko einer Verpaarung optisch nicht abschätzen. Mehr zu den Farbschlägen unter Rennmaus Farben.
Dokumentiert sind Epilepsie, Skoliose, Gliedmaßendeformationen, verkürzte Ohren, Blindheit, Taubheit und erhöhte Tumorneigung. Entscheidend ist ein Satz aus der Zuchtszene: Erbkrankheiten werden nicht nur weitergegeben, wenn sie sichtbar auftreten. Auch äußerlich gesunde Tiere können Träger sein.
Hinzu kommt die Inzuchtproblematik: Fast alle europäischen Heimtier-Rennmäuse gehen auf wenige Dutzend Gründertiere zurück. Wer Geschwister aus einem Unfallwurf verpaart, verschärft das erheblich.
Seriöse Zucht arbeitet mit Zuchtbuch, einem Zuchtziel über Gesundheit, Wesen, Typ, Farbe und Zeichnung, und einem Mindestalter von vier bis fünf Monaten beim ersten Wurf. Wer das nicht leisten kann und will, sollte nicht züchten.
Zu Geburtskomplikationen bei Rennmäusen gibt es kaum belastbare deutschsprachige Literatur. Die folgenden Punkte sind eine praktische Einordnung, kein Ersatz für tierärztlichen Rat:
Bei einer scheinbar zu langen Trächtigkeit lohnt vor dem Notdienst der Gedanke an die verzögerte Einnistung: Ein gleichzeitig säugendes Weibchen kann bis zu 48 Tage tragen. Das ist normal.
Am Abstand zwischen Genitalöffnung und After: bei Männchen deutlich größer, bei Weibchen gering. Am einfachsten von unten durch ein durchsichtiges Gefäß betrachten, idealerweise im Vergleich mit einem Tier bekannten Geschlechts.
24 bis 26 Tage, in Einzelfällen bis 28. Säugt das Weibchen gleichzeitig einen Wurf, kann sich die Trächtigkeit durch verzögerte Einnistung auf bis zu 48 Tage ausdehnen.
Typisch sind vier bis sechs, die Spanne reicht von einem bis acht, in Ausnahmefällen bis zwölf.
Zwischen Tag 16 und 21, meist an Tag 17. Ab etwa Tag 16 wird auch die erste feste Nahrung aufgenommen.
Besser nicht. Störungen am Nest führen dazu, dass die Mutter den Wurf verlässt oder frisst. Warte, bis die Jungen die Augen geöffnet haben und selbstständig unterwegs sind.
Bei geplanter Zucht kann er bleiben und beteiligt sich an der Aufzucht. Bei ungeplantem Nachwuchs muss er sofort raus, weil das Weibchen am Tag der Geburt wieder fruchtbar ist. Er sollte dann aber nicht allein leben, sondern mit einem anderen Bock vergesellschaftet werden.
Spätestens mit sieben bis acht Wochen, weil Weibchen ab Woche acht trächtig werden können. Männchen werden mit zehn bis zwölf Wochen geschlechtsreif.
Frühestens mit acht Wochen, und nur paarweise oder in Gruppen. Bis dahin brauchen sie erwachsene Vorbilder für die Sozialisierung.