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Zucht

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Das Paarungsverhalten, die Geburt und die Aufzucht der Jungtiere stellt eines der interessantesten Kapitel im Rennmausleben und sicherlich auch im Leben eines jeden Besitzers dar.  Da die Tiere eine sehr hohe Reproduktionsrate haben sollte man sich eine Zucht und vor allem eine rechtzeitige Trennung in Geschlechtern aber gut überlegen.
 
Geeignete Tiere kann man möglicherweise von einem/er in unserer Züchterliste verzeichneten Züchter/Züchterin erhalten. Eine gute Alternative bieten sicherlich auch die örtlichen Tierheime. Neben Hunden und Katzen werden vermehrt auch Nagetiere dort abgegeben. 

Hat man sich als Besitzer zur Rennmauszucht entschieden, kann sich die Suche nach einem geeigneten Zuchtpaar u. U. als schwierig herausstellen. Da die Tiere sehr revierbildend sind und der ständig erneuerte Geruchskontakt das erste und wichtigste Erkennungszeichen von Sippenmitgliedern ist, ist das Aneinandergewöhnen von fremden Tieren nicht ganz unproblematisch. Bewährt haben sich bei uns folgende Methoden:

  • Zwei einander fremde Mäuse werden in zwei getrennten Käfigen gehalten. Zwischendurch wird ein Teil des  Nist- bzw. Einstreumaterials des eines Tieres gegen das des anderen Tieres ausgetauscht. Zusätzlich setzt man die Tiere für einige Stunden alleine in das jeweilige andere Becken. Diese Prozedur wiederholt man 1-2 mal/Tag über einen Zeitraum von mind. 3-4 Tagen.
  • Nach dieser Zeit sollte man einen ersten gemeinsamen Begegnungsversuch auf dem Teppich wagen. Die Mäuse müssten jetzt friedlich aufeinander zulaufen, sich beschnuppern, den Geruch des anderen erkennen und nicht raufen. Leichte Drohgebärden, d. h. ein seitliches Aufbäumen "Größemachen" und "in den Weg stellen" des dominanten Tieres entspricht dem natürlichen Verhalten. Die Mäuse müssen untereinander eine Rangfolge festlegen. Dabei wird es immer einen Unterlegenen geben. Hat man diesen Zeitpunkt erreicht, sollte man beide zusammen in ein neu eingerichtetes Becken setzen (sämtliche Ausstattungsmaterialien sollten neutral riechen), die Tiere aber noch einige Stunden beobachten. Liegen sie danach friedlich in einem Nest zusammen, ist der Bann gebrochen. Verbeißen sich die Mäuse ineinander oder wird das schwächere unterlegene Tier permanent durch den Käfig gehetzt, sollte man diese trennen (u. U. mit Handschuhen) und zu einem späteren Zeitpunkt einen neuen Versuch wagen. Man kann ebenfalls ein größeres Becken durch ein mittig stehendes Trenngitter (Rahmen aus Holz oder Alu mit einem Drahtgitter) unterteilen und jeweils eine Maus in eine abgeteilte Beckenecke setzen. Die Mäuse werden sich intensiv am Gitter beschnuppern und auch versuchen über das Gitter zu kriechen. Das Gitter sollte daher so gestaltet sein, das dieses nicht möglich ist. Auch hier sollte man 1-2-mal/Tag die Mäuse alleine in den jeweils anderen Beckenbereich setzen. Danach kann man verfahren wie oben beschrieben. Diese Vorgehensweise ist die von uns bevorzugte Methode.

Sollte nach 3-4 Tagen noch keine friedliche Zusammenkunft möglich sein, muss der ganze Ablauf des Gewöhnens für einige Tage verlängert werden.

  • Manchmal kann man zwei einander fremde Mäuse in einem großen neu eingerichteten und für beide Mäuse unbekannten Becken auch direkt zusammensetzen. Um den Eigengeruch zu überdecken, kann man die Mäuse z. B. mit einem mit Anisöl getränkten Wattestäbchen betupfen. (Vorsicht! Nicht auf die Augen und Nase geben). Diese Methode funktioniert nach unseren Erfahrungen besonders mit nahe verwandten Individuen; kann jedoch auch bei fremden Tieren gelingen, wenn ein Weibchen mit einem Männchen zusammen gesetzt wird. Bei dieser Methode sollte das Becken groß und mit reichlich Versteckmöglichkeiten (vgl. Haltung) ausgestattet sein.

Sollte es zu Raufereien kommen, müssen die Tiere wieder getrennt werden und es muss die oben beschriebene Prozedur eingesetzt werden.
HINWEIS: Am unproblematischsten ist es, junge Tiere (etwa zur Zeit des Absetzens nach 21 - 28 Tagen) zusammen zu setzen.

Rennmäuse sind nach etwa 63 - 84 Tagen geschlechtsreif, unserer Meinung nach aber noch nicht voll ausgewachsen. Unsere Tiere sind im ersten halben bis dreiviertel Jahr noch deutlich größer und kräftiger geworden. (Maße und Gewichte sowie Geschlechtsmerkmale s. unter Biologie). Die Zuchtreife ist frühestens nach 70 Tagen bei den Weibchen und 84 Tagen bei den Männchen erreicht.
Zur Zucht sollte man keine Tiere nehmen, die älter als zwei Jahre sind. Ein Alter von einem halben bis zu einem Jahr ist ideal.

Zum Paarungsverhalten gehört ein intensives Beschnuppern des Mund- und Genitalbereiches. Das Männchen treibt für eine ganze Zeit, u. U. auch mehrere Stunden das Weibchen durch das Gehege. Zwischendurch führt es Schlängelbewegungen mit seinem Schwanz aus und trommelt erregt und rhythmisch mit den Hinterbeinen auf dem Boden auf. Dabei kann man beobachten, dass sich das Weibchen zwischendurch in eine Ecke; Röhre, etc. zurückzieht und durch leichte Drohgebärden dem Männchen zu verstehen gibt: „Bis hierhin und keinen Schritt weiter.“ Das Männchen hält sich auch an diese Warnung. (Dieses Verhalten lässt sich später an den ersten Tagen nach der Geburt wieder entdecken. Das Männchen wird zu dieser Zeit aus dem Nest "verbannt" und darf auch nicht zu nah in die Nestumgebung kommen. Hier droht das Weibchen wie beim Paarungsverhalten beschrieben. Nach ca. 1 Woche ist aber der Vater wieder im Nest willkommen).

Beim Paarungsspiel kann nach einiger Zeit das Interesse des Männchens am ständigen Herumtreiben des Weibchens auch einmal nachlassen, doch das lässt die Dame seines Herzens nicht ernsthaft zu. Nun ist sie es, die ihm hinterher rennt und ihn nach einiger Zeit, ebenfalls durch Schlängelbewegungen des Schwanzes und rhythmisches Trommeln mit den Hinterbeinen,  zum Deckakt auffordert. Dieser kann unzählige Male wiederholt werden.

Nach einer Tragzeit von ca. 22-26 Tagen werden die Jungen völlig nackt, blind, rot, runzelig und sehr klein geboren. Sie werden nur durch Muttermilch ernährt. Die Wurfgrößen schwanken zwischen 1 bis 12 (im Mittel 4 - 5) Tieren, wobei die Anzahl der Weibchen in den meisten Würfen überwiegt.  Man sollte in dieser Zeit keine unnötigen Störungen im Käfig (z. B. Reinigen) durchführen und das Nest nicht berühren. In dieser Zeit hat das Weibchen einen erhöhten Eiweißbedarf. Um Kannibalismus vorzubeugen, sollten für das Weibchen als Ergänzungsnahrung täglich einige Mehlwürmer gefüttert werden. Diese bekommt man ebenfalls in Zoohandlungen für ein paar Eurocent. Die Mehlwürmer kann man in einem offenen Gefäß, aus dem sie aber nicht herauskrabbeln können, an einem kühlen Ort halten und mit einer Apfelspalte und einem Stückchen Brot füttern.

Die jungen Mäuse wachsen sehr schnell, schon nach 2-3 Tagen kann man den ersten leichten Fellflaum sehen. Anhand der Färbung des Flaums kann man schon etwas über die spätere Fellfarbe sagen. Nach weiteren 10-12 Tagen öffnen die Kleinen die Augen. Sie verfügen jetzt schon über ein fast vollständiges Fell und sind gerade in dieser Zeit besonders süß. Jetzt beginnen sie verstärkt im Käfig umherzuwandern und die Eltern und evtl. älteren Geschwister haben jede Menge zu tun, um die Kleinen wieder ins Nest zu tragen. Das Umherwandern wird aber von einigen besonders vorwitzigen Gesellen auch schon vorher, noch blind, ausprobiert. Das Absetzalter wird nach ca. 21-24 Tagen erreicht. Man sollte Jungtiere allerdings frühestens nach 6 Wochen von der Mutter trennen.

Bei einem unserer Mäusepäarchen ist zweimal hintereinander, direkt nach der Geburt, der Wurf, wahrscheinlich vom Weibchen, aufgefressen worden. Zunächst hatten wir dafür keine Erklärung. Ein Besuch bei der Tierärztin mit dem vermeintlichen Weibchen brachte dann Klarheit. Das Weibchen war ein Zwitter. Es zeigte wie bei männlichen Rennmäusen üblich eine Duftdrüse, war aber gleichzeitig in der Lage Nachwuchs auszutragen. Das "Pseudo-Weibchen" war allerdings nicht in der Lage den Wurf mit Muttermilch zu stillen. Hier wurde der Nachwuchs vor dem langsamen Verhungern direkt nach der Geburt getötet.

Man sollte sich darüber im klaren sein, dass das Weibchen kurze Zeit nach der Geburt (ca. 1-2 Stunden später) wieder paarungsbereit ist und auch sofort mit der Zeugung der nächsten Generation begonnen wird. Möchte man keine weitere Nachzucht, sollten die Männchen kurz vor der Geburt in ein anderes Gehege separiert werden. Die Trennung nach Geschlechtern lässt sich bei Jungtieren frühestens nach sechs bis acht Wochen bestimmen (zu den Geschlechtsmerkmalen vgl. Abbildung auf der Seite Biologie), manchmal aber nicht immer einwandfrei. Hier sollte man die „vermeintlichen“ Weibchen oder Männchen dann noch einige Zeit danach beobachten und die neuen Verbände ggfs. korrigieren.

Hier sollte man die „vermeintlichen“ Weibchen oder Männchen dann noch einige Zeit danach beobachten und die neuen Verbände ggf. korrigieren. Laut Literatur gibt es in einem Verband aus mehreren gleichgeschlechtlichen Tieren immer nur ein dominantes Tier, dass einzig geschlechtsreif ist. Die Geschlechtsreife bei den anderen Sippenmitgliedern wird unterdrückt. Dieses Verhalten konnten wir bei unseren weiblichen Clans nicht erkennen. Unserer Meinung nach hat sich hier ein weiteres Weibchen neben der Mutter bis zur Geschlechtsreife entwickelt, dass vom Muttertier dann ausgegrenzt und mehr noch gejagt und verbissen wurde. Hier half dann nur noch eine Trennung. D. h. gleichgeschlechtliche Sippen sind nicht immer, besonders bei Weibchen, auf Dauer stabil.[zurück]

Stand: 22. September 2009

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