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Haltung von Rennmäusen

Rennmäuse gehören zu den pflegeleichtesten Heimtieren. Wenn man einige grundsätzliche Dinge beachtet, wird man sehr lange ungetrübte Freude an diesen interessanten Zeitgenossen haben. Nachfolgend werden unsere Erfahrungen bei der Rennmaushaltung beschrieben, und zwar die folgenden Punkte:

Geeignete Gefäße
Becken-Ausstattung
Futter
Zähmen von Rennmäusen
Zusammensetzen fremder Mäuse

Einkaufsliste:

Wer sich schon gründlich informiert hat und mit der Haltung von Rennmäusen sofort loslegen will, für den haben wir ganz aktuell eine Einkaufsliste mit Fotos, Tipps und ungefähren Preisen zusammengestellt!
Ein Teil des Zubehörs lässt sich auch über das Internet beziehen.

Geeignete Gefäße:

In vielen Zoofachgeschäften und den Zooabteilungen der Freizeit- und Gartenmärkte werden Rennmäuse sehr oft in kleineren Gitterkäfigen oder Terrarien gehalten. Als vorübergehende Aufenthaltslösung mag diese Variante der Unterbringung genügen, wir bevorzugen jedoch die Haltung in einem ausreichend großen Glasbehälter, z. B. einem Aquarium (natürlich ohne Wasserbefüllung) oder besser gesagt in einem Terrarium.  Zwei Mäuse sollten dabei mindestens ein Becken in der Größe 100 x 40(50) x 40(50) cm, entspricht ca. einem 200 Liter-Aquarium, zur Verfügung haben. Oft bekommt man leicht beschädigte Aquarien in den Märkten für einen Bruchteil des ursprünglichen Preises. Die Becken sind nicht mehr für die Befüllung mit Wasser geeignet, erfüllen aber als Rennmausgehege ihren Zweck perfekt. Ein Nachfragen lohnt sich also. Ebenso gut eignen sich, nach gründlicher Reinigung mit heißem Wasser, „gebrauchte“ Aquarien die man günstig über den Second Hand-Teil der Tagespresse bekommt. Abgedeckt wird das Becken mit einem Holzrahmen, auf den man feinen Maschendraht aufnagelt. Gut geeignet ist Maschendraht, bei dem die Drähte im rechten Winkel aufeinander treffen, da sich die Mäuse dann nicht so leicht mit ihren Krallen im Draht verfangen und verletzen können. Ein kleiner Griff am Rahmen vervollständigt das Ganze. Mittlerweile gibt es auch professionelle Abdeckungen aus Edelstahl in gängigen Aquariengrößen. (Für alle Rennmausliebhaber, die handwerklich nicht ganz so geschickt sind). ..

Glasbecken bieten einige Vorteile: da Rennmäuse ihrem natürlichen Verhalten nach sehr gerne scharren und die Einstreu einer täglichen architektonischen Neugestaltung unterziehen, verbleibt der Inhalt des Beckens auch tatsächlich in diesem und findet sich nicht täglich auf dem Boden  wieder. Durch die Glasscheiben lassen sich die Tiere ungestört in ihrem Verhalten, oft auch sehr schön im Schlafnest beobachten, ohne dass sie sich durch Geräusche beeinträchtigt fühlen. Eine bei Käfigtieren zu beobachtende Verhaltensstörung (Gitternagen) kann bei einem Glasbecken nicht auftreten. Ein intensives Scharren in den Ecken des Terrariums oder an den Glasscheiben, ist für diese grabenden Nagetiere jedoch völlig normal.  Die oben angesprochene Vorliebe, täglich neue Gangsysteme anzulegen, funktioniert natürlich besonders gut in einem geschlossenen Behälter. Durch die Glasscheiben lassen sich die neu geschaffenen Kunstwerke auch sehr gut im Querschnitt ansehen. Die Reinigung eines Glasbeckens ist ebenfalls unproblematisch. Nachdem alle Dekorelemente und die gesamte Einstreu entfernt wurde, wird das Becken einfach mit heißem Wasser ohne jegliche Reinigungsmittelzusätze ausgewaschen und trocken gerieben. Abhängig vom Verschmutzungsgrad (d. h. abhängig von der Individuenanzahl, der Reinigungsfrequenz und der Beckengröße) kann es genügen die alte Einstreu komplett zu entfernen und gegen neue auszutauschen. Bei sehr starken Verschmutzungen (z. B. durch Kotreste) oder bei ansteckenden Krankheiten (Durchfall-, Hautkrankheiten) empfiehlt sich eine feuchte Reinigung mit heißem Wasser und eine abschließende Desinfektion mit einem für die Tierhaltung geeigneten Desinfektionsmittel (im Zoofachhandel erhältlich). Neben dem Becken sollten dann auch alle anderen Einrichtungsgegenstände entsprechend gereinigt werden  [zurück]

Becken-Ausstattung:

Zum Verstecken und zum Abwetzen der Krallen haben sich Tonröhren (1) sehr bewährt. Diese wurden früher zur Drainage in der Landwirtschaft eingesetzt, sind heute jedoch nicht mehr so leicht zu bekommen. Wir haben aber auch sehr gute Erfahrungen mit fertig zu kaufenden Tonelementen  aus Weinregal-Systemen gemacht, die über zwei Röhren/Gänge verfügen. Bei größeren Becken lassen sich zwei Bausteine aufeinander setzen und sich so die Gangzahl erhöhen. Da die Rennmäuse in ihrer natürlichen Umgebung gerne Gänge anlegen, werden die Röhren gerne genutzt. Eine zusätzliche Ebene lässt sich z. B. durch eine große Bodenfliese zwischen den Regalen bzw. als Abdeckplatte auf dem Regal oder über zwei Ziegelsteinen (2) erzielen. Dabei sollte die angerauhte Seite der Fliese nach oben zeigen, damit die Mäuse beim Herumtoben nicht auf der glatten glasierten Seite ausrutschen. Die rauhe Seite der Fliesen sowie der Ton der Röhren reizt zum Scharren und trägt damit gleichzeitig zum natürlichen Abnutzen der Krallen bei. Die ganze Konstruktion muss so standsicher aufgebaut sein, dass die Tiere beim Scharren das Röhrensystem nicht untergraben können und durch herunterfallende Elemente verletzt werden. In eine Glasflasche oder eine Kunststoffflasche (3) mit Edelstahlmundstück sollte mind. 1-2 mal/Woche frisches Trinkwasser eingefüllt werden. In den Wintermonaten, wenn die Auswahl an Grünfutter oder anderer vitaminreicher Kost begrenzt ist, kann für eine kurze Zeit durchaus auch mal ein Multivitaminpräparat über das Trinkwasser verabreicht werden. Bewährt hat sich ebenfalls ein Nager-Kalkstein (4) zum Nagen und zur Regulierung des Mineralstoffbedarfs.

Die Grundeinstreu kann aus Kleintierstreu (Sägespäne, 5) bestehen, dass z. B. mit Heu vermischt wird, aber auch aus Vogelsand. Gerne werden Papiertaschentücher oder neutrales, unbehandeltes Toilettenpapier zum Ausbau des Nestes genommen. Ebenfalls sehr beliebt sind ausgehöhlte ungiftige kleine Baumstämme und Äste  (6) z. B. von Apfel- oder Birnbaum, Haselnuss, Birke oder Hainbuche. Kirsch-, Pflaumenbaum-, Aprikosenbaumholz oder Kirschlorbeerholz sollte aufgrund von  giftigen Inhaltsstoffen (Blausäureglykosiden) nicht genommen werden. Generell sollte man darauf achten keine giftigen Holzstücke in das Gehege ein zu bringen, auch nicht als Dekoration, da Rennmäuse grundsätzlich alles benagen. Die ständige Verfügbarkeit von Holz oder anderen Materialien, die ausgiebig benagt werden können, ist unbedingt erforderlich, damit sich die ständig nachwachsenden Zähne abnutzen können.

In den Zooabteilungen werden sehr oft auch Korkrinden der Korkeiche angeboten. Diese sind meist nicht ganz billig (ca. 9.- € pro Kilogramm), aber bei den kleinen Nagern aufgrund  der Form, der spannenden Klettermöglichkeiten und der guten Zernagbarkeit sehr beliebt. Zudem sind sie ein sehr gutes Dekorelement in einem Rennmausbecken. Sehr beliebt bei unseren Rennmäusen sind darüber hinaus Pappröhren, wie sie z. B. bei Toiletten- und Küchenpapierrollen anfallen. Diese werden von den kleinen "Bioschreddern" in kürzester Zeit zerlegt. Die Futterschale (7), am besten aus Ton oder Keramik sollte etwas erhöht stehen, da sie von den Tierchen gerne täglich zugescharrt wird, wenn sie direkt auf der Einstreu steht. Man könnte auch grundsätzlich auf eine Schale verzichten und das Futter im Becken verteilen. Die Tiere suchen sich ihr Futter dann direkt aus der Einstreu. Dieses entspricht eigentlich auch mehr ihrer natürlichen Verhaltensweise in Wüsten und Steppen.

Ein absoluter Lieblingsplatz unserer Mäuse sind sogenannte Trullis aus Ton oder Stein. Dieses sind kuppelförmige Bauten mit einem runden Einschlupfloch, in dem sich gerne eine oder zwei Mäuse z. B. zum Fressen zurückziehen. Leider sieht man sie nicht immer in den Zooabteilungen. Eine gute Alternative dazu sind halbierte und vom Fruchtfleisch vollständig (ansonsten Schimmelgefahr) befreite Kokosnüsse. Sie stellen eine Behausung und Spielzeug aus natürlichem Material dar und die langen Kokosfasern werden mit Vorliebe zernagt.
Zum „Wohlfühlprogramm“ gehören daneben ein Laufrad (8), am besten aus Metall und nicht zu klein, um dem Bewegungsdrang der Tiere nachzukommen sowie ein Sandbad. Das Laufrad sollte am Gitterdeckel befestigt werden oder aber stabil auf einer erhöhten festen Unterlage, z. B. einer Holzplatte verschraubt werden. Steht das Laufrad zu dicht über der Streu wird es jede Nacht mit Einstreu eingegraben und dreht sich nicht mehr. Aus Diskussionen mit anderen Rennmaus-Liebhabern wissen wir, dass der abgebildete Laufradtyp kritisch gesehen wird wegen angeblicher Verletzungsgefahr. Wir haben allerdings bislang mit dem abgebildeten Modell keine schlechten Erfahrungen gemacht. Wer auf “Nummer sicher” gehen möchte, der sollte zu einem einseitig geschlossenen Laufrad greifen. Bei unserem letzten Einkauf haben wir nun ein so konstruiertes Laufrad aus Holz gefunden, dass u. E. prima ist. Bislang haben wir noch keine langfristigen Erfahrungen, daher wollen wir es noch nicht uneingeschränkt empfehlen. Details finden Sie hier.

Für das Sandbad eignet sich am besten eine Tonschale gefüllt mit Chinchilla- oder Vogelsand. Sie wird von den Mäusen gerne als Scharr- und Grabemöglichkeit genutzt sowie als Sandbad zur Fellpflege. [zurück]

Ernährung

Wüstenrennmäuse ernähren sich in ihrer natürlichen Umgebung, in Wüsten und Steppen, hauptsächlich von Samen und Gräsern, weniger von saftigem Grün und Obst. Bei in Gefangenschaft lebenden Tieren sieht das Ernährungsprogramm anders aus. Gerne werden gewaschenes und abgetrocknetes frisches Grünfutter wie Löwenzahn, Vogelmiere, Radicchio, Chicorée, Petersilie, Maiskolben, Schlangengurken (siehe Bild unten) und besonders Möhrengrün und Möhren gefressen.  Durch dieses frische Grünfutter decken die Rennmäuse schon einen erheblichen Teil ihres Flüssigkeitsbedarfs, eine zusätzliche Trinkflasche gefüllt mit Wasser ist jedoch ein Muss. Gerade in der trockenen Zimmerluft in den Wintermonaten ist der Flüssigkeitsbedarf der Tiere deutlich erhöht. Auf alle blähenden Gemüse wie z. B. Kohlarten sowie auf stark oxalsäurehaltige Gemüse wie etwa Spinat sollte verzichtet werden.Im Winter sollte nicht so viel Salat gefüttert werden, da er um diese Jahreszeit im Gewächshaus gezogen und  besonders nitrathaltig ist.
Die Grünfuttermenge sollte so bemessen sein, dass spätestens am zweiten Tag keine Reste mehr vorhanden sind. Danach sollten die Reste aufgrund von Schimmelgefahr aus dem Käfig genommen werden. Nach unserer Erfahrung fressen Rennmäuse Gemüse ganz gerne etwas angewelkt.

Mit Vorliebe wird frische Rinde von Birn- und Apfelbäumen und Haselnuss zernagt und besonders in den Wintermonaten auch verspeist. Ein Stück Apfel stellt ebenfalls eine Delikatesse dar, manchmal auch eine gepellte Mandarinenspalte oder Weintrauben und Rosinen. Diese "süßen Leckerbissen" sollten aber nicht täglich gegeben werden, da die Tiere in der Gefangenschaft mit eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten zur Verfettung neigen Als Grundfutter werden in den Zooabteilungen verschiedene Futtermischungen unter den Namen Nagerkrokant, Hamster- und Meerschweinchenfutter, Gerbilfutter etc. angeboten. Sie bestehen meist aus einer Mischung aus verschiedenen Samen, Nüssen, Getreidekörnern und stärkehaltigen Bestandteilen wie z. B. Johannisbrotbaum sowie getrockneten Gemüsen. Mit Vorliebe werden auch Haferflocken verspeist. Die zusätzliche Gabe von kalorienreichen Kernen (z.B. Sonnenblumen- oder Kürbiskernen) und Nüssen sollte nur im Ausnahmefall erfolgen, da die Tiere sonst zu dick werden. Eine selektive Gabe dieser Leckerbissen ausschließlich aus der Hand, lässt darüber hinaus die Mäuse schneller zutraulich und handzahm werden. Wichtig ist, dass den Tieren ständig Futter zur Verfügung steht, da sie bis zu 8 Mahlzeiten pro Tag einnehmen. Eine zeitlich limitiert Fütterung kann zu Gewichtsverlusten führen. Wichtig ist allerdings, dass sehr fettreiche Samen wie Sonnenblumenkerne nicht in beliebiger Menge ständig zur Verfügung stehen, da die Tiere sonst zuviel fett aufnehmen.

Ein weiteres wichtiges Grundelement der Ernährung stellt Heu dar. Es wird nicht nur zum Nestbau genommen, sondern auch mit Vorliebe zernagt und gefressen. Aufgrund seines hohen Ballaststoffgehaltes stellt es ein Grundelement in der Rennmausernährung da. Um unsere Mäuse aus der „Reserve“ zu locken ist Heu das verlässlichste Mittel. Gut geeignet ist sauberes trockenes Heu, welches aus langen Halmen und Kräuteranteilen besteht. Schlechtes Heu besitzt viel Bruchmaterial und hohe Staubanteile. Zur Lagerung von Futter siehe auch Kap. Krankheiten. Zur Fütterung von Mehlwürmern siehe Kap. Zucht. [zurück]

Zähmen von Rennmäusen:

Rennmäuse sind keine “Kuscheltiere” wie Kaninchen oder Katzen. Sie lassen sich dennoch relativ leicht handzahm machen. Die wichtigste Voraussetzung dafür ist, dass man sich täglich intensiv mit den Tieren beschäftigt. Um die Tiere an die Hand des Menschen zu gewöhnen, ist es am einfachsten, ihnen dort Nüsse oder Sonnenblumenkerne anzubieten. Idealerweise werden diese “Leckerbissen” vorher aus dem Grundfutter herausgelesen.

Nach kurzer Zeit werden die Mäuse sofort angelaufen kommen, wenn die Hand in den Käfig gehalten wird. Nach einiger Zeit kann mann dann die Tiere vorsichtig anheben und später auch aus dem Aquarium bzw. Terrarium  heraus nehmen. Auch lassen sich zahme Tiere von oben leicht ergreifen. [zurück]

Zusammensetzen fremder Mäuse:

Immer wieder kann es erforderlich sein, fremde Mäuse zusammen zu setzen. Gründe können das Bilden eines Zuchtpaares oder der Wunsch sein, einzelnen Tieren wieder einen Partner zu geben. Erfahrungsgemäß ist dies nicht einfach und nicht immer von Erfolg gekrönt. Am einfachsten ist es dabei oft, ein Männchen und ein Weibchen zusammen zu setzen. Es gelingt aber auch bei gleichgeschlechtlichen Mäusen. Dabei lassen sich zwei Männchen leichter aneinander gewöhnen als zwei Weibchen.

Wie man am günstigsten vorgeht, wird ausführlich auf der Seite Zucht beschrieben.[zurück]

Stand: 20. August 2011

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