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Biologie

Biologie

Auf diese Seite finden sich wesentliche Informationen über Biologie und Ökologie der Mongolischen Rennmaus. Behandelt werden:

Systematik und Verbreitung
Morphologie und Biologie (Steckbrief)
Geschlechtsmerkmale
Nahrungsaufnahme
Verhalten
Wanderverhalten

Detaillierte Informationen finden sich in den von uns empfohlenen Büchern und in der wiss. Literatur.

Systematik und Verbreitung

Familie

Wühler (Cricetidae)

Unterfamilie

Rennmäuse (Gerbellinae)
mehr als zehn Gattungen und über 100 Arten
von Afrika über Arabien bis zur Mongolei

z.B.

 

Gattung

Eigentliche Rennmäuse (Gerbillus)

Gattung

Sand- oder Wüstenrennmäuse (Meriones)
13 Arten

Art

Mongolische Rennmaus oder Mongolische Wüstenrennmaus (Meriones unguiculatus [MILNE- EDWARDS 1867]) Erstbeschreibung in: Milne-Edwards, H. & Mile-Edwards, A. (1868-1874): Recherches pour servir a l´histoire naturelle des Mammiferes. - Libraire de l´Academie de Medicine, Paris Originalzeichnung

Geogr. Verbreitung

Sandsteppen und Halbwüsten der Mongolei und Nordchinas bis nach Südsibirien, Regionen mit extremen Temperaturschwankungen im Jahres- und Tagesgang und geringen Niederschlägen. Sie besiedeln dort Trockensteppen und Sandwüsten. Mongolische Rennmäuse sind von großer Bedeutung für die Ökosystme Zentralasiens und haben dort auch eine Bedeutung als “Agrarschädlinge”.

Herkunft der Tiere in Gefangenschaft

Alle in Gefangenschaft gehaltenen Mongolischen Rennmäuse stammen von 20 Zuchtpaaren ab, die 1935 in der östlichen Mongolei und der Mandschurei gefangen worden sind. Diese Tiere wurden zunächst in Japan weiter gezüchtet und gelangten dann 1954 in die USA und von dort nach Europa.

Steckbrief

Körperlänge
Schwanzlänge

8-12 cm, Männchen i.A. größer als Weibchen
bis 6-11 cm

Physiologische Daten

Gewicht:                      80 - 120 (max. 140) g
Geburtsgewicht:           2,5 - 3,5 g
Körpertemperatur:       37,4 - 39,0° C
Futterverbrauch:            10 - 15 g /Tag
Wasserverbrauch:          3 - 4 ml/Tag
Atemfrequenz:               70 - 120/min
Herzfrequenz:               260 - 600/min

Farbe

wildfarben: sandfarben bis mittelbraun,
Unterseite: weißlich bis hellcremefarben
Viele Farbvarianten von goldbraun über silberfarbenund schwarz bis gefleckt im Handel

Körperform

Kopf rundlich mit langen Schnurrhaaren und ovalen Ohren, große schwarze Augen (bei Zuchtformen auch rote Augen)
Körper langgestreckt, seidig und dicht behaart, Hinterfüße verlängert
Schwanz lang, behaart und am Ende mit Haarquaste

Drüsen

Im Bereich der Augen finden sich die Ausführungsgänge der harderschen Drüse. Diese erzeugt ein rotbraunes Sekret, das die Tiere zur Körperpflege nutzen und über die gesamte Körperoberfläche verteilen. Gerade bei sehr hellen Tieren kann dadurch der Eindruck entstehen, dass diese “Nasenbluten” haben.
In der Nähe des Nabels findet sich ein großer Komplex aus Talgdrüsen, der sich besonders bei den Männchen mit einsetzender Geschlechtsreife deutlich vergrößert. Mit ihrem gelben moschusartigem Sekret markieren die Tiere ihr Terretorium.

Lebenserwartung

im Durchschnitt drei Jahre, selten bis fünf Jahre (unser ältestes Tier wurde ca. 4 1/2 Jahre alt)

Zahl der Jungen

1 - 12 (im Mittel 4 - 5)

Lebensweise

Im Ursprungsgebiet leben Rennmäuse in vielköpfigen Familienverbänden. Die Mitglieder erkennen sich untereinander am Geruch. Zur Erkennung sind regelmäßige Nase-Mund-Kontakte von großer Bedeutung. Die Familien bewohnen ein weit verzweigtes Gangsystem, das bis zu 1,5 m unter die Erdoberfläche reicht und ständig erweitert wird. Die Reviere werden mit Harn und Kot und speziellen Duftstoffen markiert.
Typisch für Rennmäuse ist ein ausgeprägtes Sozialverhalten. auch werden “Wachtposten” aufgestellt, die bei der geringsten Bewegungen Warnsignale in Form eines lauten Fiepens oder Trommelns mit den Hinterbeinen aussenden, bevor sie in den Bau flüchten. Eindringlinge (auch fremde Artgenossen) werden sofort angegriffen. Dieses Verhalten zeigen die Tiere auch in der Gefangenschaft.

Geschlechtsmerkmale

Ausgewachsene Männchen sind leicht an den Hoden am Schwanzansatz zu erkennen.

Bei jüngeren Tieren muss man diese auf den Rücken drehen. Beim Weibchen ist dann zu erkennen, dass die Geschlechtsöffnung und der After ganz nahe hintereinander liegen (linke Abbildung). Beim Männchen ist ein deutlicher Abstand erkennbar (rechte Abbildung).

Nahrungsaufnahme 

Die Nahrung wird sehr gerne auch in der Streu aufgenommen. Dies entspricht  ihrer natürlichen Nahrungssuche mehr als das Fressen ausschließlich aus der Futterschale. Besonders im Herbst und Winter kann man einige Tiere beobachten, wie sie übriggebliebene Futterreste an bestimmten Plätzen in der Einstreu vergraben (Anlegen eines Nahrungsvorrates). Umfangreiche Hinweise zum Nahrungssortiment finden sich auf der Seite Haltung. [zurück]

Verhalten (in Gefangenschaft)

Rennmäuse sind sehr lebhafte und neugierige Tiere. Der Charakter der einzelnen Individuen kann dabei so verschieden sein, dass man sie an ihren Eigenarten schon identifizieren kann. Dies setzt allerdings ein intensives Beobachten der Mäuse voraus.
Die Tiere leben in Familienverbänden und zeigen ein starkes Sozialverhalten (daher Rennmäuse nie über längere Zeit einzeln halten). Das Sozialverhalten äußert sich sowohl beim Schlafen im gemeinsamen Nest als auch bei der Körperpflege. Beim Putzen wird das Fell des Mitbewohners sehr gründlich „schreibmaschinenartig“ mit den Zähnen durchkämmt, wobei das Weibchen durch Anstupsen oft das Männchen zum Putzen auffordert. Jungtiere werden vom gesamten Clan abwechselnd einer intensiven Körperpflege unterzogen.
Zur Verständigung geben Rennmäuse gelegentlich Fieplaute von sich. Diese Laute werden zum einen zur Kontaktaufnahme mit einem anderen Tier benutzt - z.B. zur Aufforderung ins gemeinsame Schlafnest zu kommen. Zum anderen sind es Protestlaute etwa beim Drängeln um die besten Futterstücke. Eine weitere Lautäußerung ist das Trommeln mit den Hinterläufen. Es ist ein deutliches Warnsignal, auf das nicht selten eine Flucht des gesamten Familienverbandes in die sicheren Röhren folgt. Dieses Verhalten wird man oft selbst feststellen können, wenn man etwa eine hastige Bewegung macht und damit alle Mäuse vertreibt. Regelmäßig sieht man einzelne Tiere auf erhöhter Warte auf den Hinterfüßen aufgerichtet Ausschau halten, um beim geringsten Anlass die anderen Clan-Mitglieder warnen zu können.
Die enge Sozialbindung der Rennmäuse führt dazu, dass fremde Rennmäuse ausgegrenzt und auch angegriffen werden. Da die fremde Rennmaus im Terrarium nicht aus dem Revier des Angreifers flüchten kann, würde dies zu Verletzungen oder gar zum Tode eines Tieres führen, wenn man die Rennmäuse nicht sofort trennen würde (s. hierzu auch Zucht).
Begegnen sich zwei Rennmäuse der gleichen Sippe so wird der „Clan-Geruch“ überprüft. Es kann auch zu harmlosen Balgereien kommen, bei denen sich die Tiere aufrichten und mit den Füßen betrommeln. Die Rennmäuse messen so ihre Kräfte  und legen die Rangordnung im Familienverband fest. Das Revier des Clans wird darüber hinaus regelmäßig mit einem Sekret bauchständiger Duftdrüsen markiert.
Innerhalb ihres Reviers kennen sich Rennmäuse sehr gut aus. Wenn man nach dem Reinigen des Terrariums die Infrastruktur im Becken verändert, wird man feststellen, dass die Tiere z.T. stundenlang im Becken umherrennen. Sie markieren ihr Revier neu, nehmen Veränderungen an der Streuverteilung vor und prägen sich genau die Lage aller für sie wichtigen Details wie Fluchteingänge, Futterschale, Trinkflasche und Verstecke ein. Sie finden sich danach auch im Dunkeln in ihrem Becken zurecht.  [zurück]

Wanderverhalten

Verhaltensstudien in den USA haben gezeigt, dass Rennmäuse nicht zufällig im Rad laufen. Die erste Benutzung des Rades erfolgt  nach dem Abstillen durch die Mutter, wird bis zur Geschlechtsreife kontinuierlich gesteigert und lässt dann wieder nach. Dies korreliert mit Freilandbeobachtungen in der Mongolei, wo von jedem Wurf ein Teil der Tiere den Clan verlässt. Diese Tiere gehen auf Wanderschaft und sollten nach Möglichkeit beim Erreichen der Geschlechtsreife ein eigenes Revier gefunden haben und das Wandern einstellen. Man hat weiter beobachtet, dass rangniedere Tiere mehr im Rad laufen als ranghöhere, die ja die größere Chance haben, im alten Revier zu bleiben. Die Laufbewegung im Rad dauert nie sehr lange an. Es werden immer wieder Pausen eingelegt, bei dem das Tier sichert, lauscht und beobachtet. Dieses würde auch ein wanderndes Tier außerhalb seines bekannten Territoriums tun.
Will man Rennmäuse außerhalb des Beckens laufen lassen, so sollten die Tiere nach Möglichkeit bereits handzahm sein. Es sollten darüber hinaus keine Elektrokabel, giftige Pflanzen oder scharfkantige Gegenstände in erreichbarer Nähe sein, um die Mäuse nicht zu gefährden. Beim Herausnehmen aus dem Becken ist besonders bei unerfahrenen Tieren zu beachten, dass die Rennmaus ohne zu zögern von der Hand springt und sich verletzen kann. Rennmäuse müssen eine Abschätzung von für sie gefährlichen Höhen erst erlernen. Wenn man diese Regeln beachtet, werden sowohl die Rennmäuse als auch deren Halter eine riesigen Spaß miteinander haben. Die Rennmäuse können sich sogar so daran gewöhnen, dass sie bereits auf der Korkrinde darauf warten, um heraus genommen zu werden.  [zurück]

Stand 2. April 2006

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